25.03.2023, 01:10
Von schönen Dingen
am 01.01.1970
Ihre Finger auf seinem Kinn sind kühl, ihre Haut seidenweich und seine Finger zucken an seiner Seite, begierig darauf ihre Hand zu ergreifen und doch weiß er das es Konsequenzen hätte sie ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis zu berühren. Sie mag ein Mitglied seines Stammes sein und doch ist sie ebenso etwas Heiliges, etwas das es zu ehren, zu respektieren gilt jeden Tag aufs Neue. ,,Man sagt mir solche Dinge nach!“ antwortet er auf ihre Worte und sein Mundwinkel zuckt unter einem sanften Schmunzeln. Es gibt viele Dinge die über ihn gesprochen werden, doch dies sind unbestreitbare Tatsachen. Er ist wie ein Wolf der Blut gerochen hat wenn er etwas will, wenn er sich nach etwas sehnt und hierbei handelt es sich kaum um Gold oder eine gute Klinge.
"Ich würde gerne wissen, wieso du so hartnäckig bist..." ihre Worte sind leise und doch kann er das Lächeln auf ihren Lippen erkennen, bevor sie sich abwendet und einen nahe stehenden Krug ergreift. ,,Kannst du es dir nicht denken?“ erkundigt er sich leise neigt dankend das Haupt als sie ihm den geschnitzten Kelch mit frischem Quellwasser reicht. Es kommt aus dem Herzen des Berges, wird von den Novizinnen des Heiligtums gesammelt und steht nur wenigen zur direkten Verfügung. Er weiß das es ein Zugeständnis ihrerseits ist das sie ihm etwas davon anbietet, denn er mag der Anführer ihres Stammes sein aber selbst er kann nicht alles verlangen.
Fingerspitzen streifen sich als er den Kelch ergreift und doch nicht sofort daraus trinkt. Er ist Gast in ihrem Hause und ihr steht dieses Privileg zuerst zu und er ist ein Geduldiger Gast. ,,Gelingt es mir denn?“ seine Augen blitzen auf und er bezwingt sich, nicht näher zu treten, den Abstand zwischen ihnen zu verringern um an das zu gelangen was er schon so lange begehrt. Sie war noch ein halbes Kind, frisch im Schoß der Mutter aufgenommen als er wusste das sie seine Frau werden würde.
Er ist ein einfacher Mann der sich kaum nach Reichtum sehnt, Schöne Dinge gewiss schätzt sich aber kaum mit ihnen umgibt, es sei denn es handelt sich dabei um Geschenke für seine zukünftige Braut. All seine Gaben lehnte sie ab, wie sie es bei jedem potenziellen Verehrer tut und doch empfängt sie ihm eins ums andere Mal und schickt ihn nie fort, nicht bevor ihre Pflichten sie zurückzwingen. Es scheint ihm wie ein kleiner Sieg in diesem unendlichen Krieg und er ist sich sicher das er ihn irgendwann gewinnen wird. All seine Gaben die sie ablehnte, verwahrt er in seinem Zelt gut verborgen vor neugierigen Augen und nur darauf wartend ihr sie zu übergeben wenn es an der Zeit ist.

