25.06.2023, 02:06
Kiss me on the mouth and set me free
„Ja, ich glaube, es war Venedig.“ Aber um ehrlich zu sein hätte er das wohl bei jeder Stadt gesagt. Der Ältere schien einfach so viel gebildeter als er und hatte so viel mehr von der Welt gesehen, dass er ihm da nahezu alles glauben würde. Er könnte sich komplett eigene Städte und Länder ausdenken und behaupten, dass die Menschen dort einmal die Woche rückwärts gingen, Nathaniel würde ihm aus der Hand fressen und fasziniert seinen Geschichten lauschen.
„Ich freue mich schon, alles zu sehen, was du mir zeigen möchten.“ Paris und Venedig mochten seine eigenen Wünsche seinen, aber er würde den Älteren bis ans Ende der Welt begleiten und sich alles ansehen, was er für schön hielt. Und er war sich sicher, dass es auch ihm gefallen würde, denn in den letzten Monaten hatte er bei den Videocalls und Gesprächen bereits gemerkt, dass Alex durchaus Stil und Geschmack hatte.
Nachdem die Gespräche und Drinks versiegt waren, machten sie sich schließlich auf den Weg nach oben, auch wenn Nathaniel dabei kurz etwas verloren schien. Okay: Er schien nicht nur so. Dieses Hotel war einfach riesig. Die Hand auf seinem unteren Rücken war.. erstaunlich, denn während sie ihn einerseits noch nervöser machte, verlieh sie ihm zeitgleich mehr Sicherheit.
Nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug waren sie schließlich in... man konnte es kaum Zimmer nennen, denn diese Räumlichkeiten waren einfach größer als seine gesamte Wohnung. „Wow“, war also das Erste, was ihm entkam und für einen Moment vergaß er, wofür sie eigentlich hier waren. Seine Finger glitten kurz über einen kleinen Kofferboy aus Marmor, ehe er zu dem Älteren sah. „Bist du dir sicher...? Ich meine.. ist das hier wirklich für uns? Es ist so groß...“ Aber es konnte sich kaum um ein Versehen handeln, immerhin hatte die Schlüsselkarte gepasst.
Es gab nicht nur ein riesiges Bett (sein Zimmer bei seinen Eltern hatte eine ähnliche Größe gehabt...!), sondern auch eine riesige Fensterfront, die den Blick auf das Meer freigab. Außerdem eine Bar, eine große Essecke, einen Whirlpool direkt am Fenster. Auf dem Tisch stand gekühlter Champagner, zumindest ging Nathaniel davon aus, dass es Champagner war. Nachdem er sich ein wenig von dem schieren Luxus vor seinen Augen erholt hatte, sickerte wieder zu seinem Bewusstsein durch, wofür sie hier waren und er sah mit rasendem Herzen zu dem Älteren. „Es ist schön hier.“ Wie fing man so was an? Sollte er sich einfach ausziehen und aufs Bett legen...? Oder sollte er Alexander ausziehen...? Wie lief so was ab? Er war überfordert und er hoffte, dass das den Anderen nicht verschrecken würde.

