09.09.2022, 18:58
Kiss of Freedom and Trust
Ed summte eines ihr unbekanntes Lied als er eine weitere Getränkebestellung abfertigte und seine Hände dabei so schnell und geschickt arbeiteten das der Blick auf Flaschen und Gläser fast verschwamm. Der kleine und schlanke Mann, dessen Haar ihm immer etwas in die Stirn fiel, war einer der wenigen Männlichen Angestellten in der Roten Mondfee und ebenso einer der wenigen Freundlichen Gesichter.
Ivoire bevorzugte seine Gesellschaft in den wenigen Augenblicken in denen sie etwas Zeit hatte um durchzuatmen, bevor sie sich den nächsten Kunden suchen musste. Ihre zwei Stammkunden hatte sie an diesem Abend bereits bedient und es ging mittlerweile bereits auf Mitternacht zu, ihre Arbeit wäre aber erst mit dem frühen Morgengrauen erledigt, dann wenn sich die Räumlichkeiten des Etablissement langsam leeren würde.
[i],,Hier Liebling!“ Eds warme Stimme riss sie aus ihren Gedanken und sie blickte zu dem grauhaarigen Mann der ihr ein Glas mit Wasser zuschob, sie Lächelte ihn dankbar an und schloss die Finger um das kühle Glas.
Für einen kleinen Augenblick genoss sie nur die Kühle des Getränks, als sie die Lippen um den Strohhalm schloss und einen Schluck davon ihre Kehle hinunterrann, ein kleiner Augenblick des Friedens, den nur für sie bestimmt war. Ihre blauen Augen wanderten über den dämmrigen Raum, über leicht bekleidete junge Frauen und die Männer die sich hier eingefunden hatten. Es waren viele Kunden hier also würde es ein guter Abend für die Grande Lady werden.
Ivoire strich sich eine blonde Strähne hinter das Ohr und spielte Gedankenverloren mit dem Strohhalm zwischen ihren Fingern. Es war ein Geräusch eines Umfallendes Stuhl den sie den Kopf drehen lies, sie runzelte die Stirn. Laute Geräusche vor allem wie das solche das erklang waren hier selten und somit war sie nicht die einzige die sich umgewandt hatte.
Ein Mann schob den Stuhl gerade wieder zurück an seinen Platz, ihre Augen wanderten über ihn und sie legte ein wenig den Kopf schief, sie hatte ihn hier noch nie gesehen.
,,Was für ein Idiot!“ hörte sie Ed murmeln doch sie schwieg darüber als ihre Blick über den Fremden geisterte und sich ihre Blicke trafen, braune Augen gruben sich in blaue und Ivoire spürte wie ihre Wangen sich röteten.
Er strich sich das Jackett seines dunklen Anzuges glatt und stieg dann die Stufen zum Hauptraum hinter, seine Brille saß etwas schief auf seiner Nase was sie ein Schmunzeln unterdrücken lies. Sie wand sich in einer eleganten Bewegung auf dem Hocker um als sie erkannte das er direkt auf sie zusteuerte, ein weiterer Kunde für diese Nacht, ein weiterer gut gefüllter Geldbeutel, der in die geheimen Truhen der Grande Lady fließen würde.[/i]
Das Schloss glitt mit einem leisen Klicken an seinen Platz, das Rascheln, als der Schweigezauber darüber glitt, drang kaum an Ivoires Ohren als sie den dunkelhaarigen Mann tiefer in das Zimmer zog.
Die Absätze ihrer Stöckelschuhe machten keinen Laut, auf dem dicken Teppich als sie stehen blieb und sich zu ihrem Gast umdrehte. Er sah ausgesprochen ansehnlich, in dem schwarzen Anzug mit den silbernen Stickereien am Revers aus, der sich an seine breiten Schultern und den muskulösen Brustkorb schmiegte. Obwohl ihr es aufgefallen war, waren dies Dinge die sie Tagtäglich sah. Keiner der Männer der sich hierher verirrte kam mit schäbiger Kleidung daher, keiner der nicht das nötige Kleingeld in seinem Geldbeutel hatte, würde diesen Ort je besuchen.
Sie war von so vielen Schönen Dingen umgeben das man meinen mochte das Ivoire nichts anderes mehr sehen wollte, doch sie hatte auf schmerzlichste Weise lernen müssen, das Schöne Dinge meist nutzlos und unbrauchbar waren, sich dahinter oftmals eine abstoßende Dunkelheit befand.
Im Zimmer war es angenehm warm, durch die beiden Fenster, die zur Straße hin ausgerichtet waren, drang Magisch erzeugtes Sonnenlicht herein und ließ in dem Raum den Eindruck erscheinen das Draußen Sommer herrschte.
Die Luft war frisch, wie nach einem Sommerlichen Regenschauer und lud fast dazu ein sich allein dem Arrangement im Zimmer hinzugeben, aber Ivoire wusste das keiner ihrer Kunden deswegen hier war. Sie waren wegen ihr] hier, wegen den Dingen die sie konnte, die sie verkaufte mit jedem Zentimeter ihres Körpers.
Sie schmiedete Träume, erschaffte sie mit ihren Lippen, ihren Fingern und der Art wie sie beim Lachen den Kopf ein wenig in den Nacken legte. Die meisten ihrer Kunden kamen genau deswegen oder aber weil sie in ihren Köpfen eine Fantasie mit sich trugen die sie nur hier ausleben konnten, hier verwirklichten konnten mit Frauen die immer schweigen würden.
Schweigende, wunderschöne und perfekte Puppen die für alles und diejenigen die es sich leisten konnte die perfekte Illusion boten.
Das Zimmer war geräumig, an ihrer rechten befand sich ein, in die Wand, eingelassener Kamin indem ein Feuer prasselte, davor befanden sich zwei Sessel und ein kleiner Beistelltisch in ihrer Mitte. Auf einem schmalen Beistelltisch befanden sich in glitzernden Karaffen erlesene Alkoholische Getränke die nur darauf warteten aus ihren Gefängnissen befreit zu werden.
Gegenüber des Kamins und der Sitzgelegenheiten stand ein dunkles Himmelbett mit seidenen Vorhängen, die aktuell an den geschnitzten Pfosten befestigt waren und somit den Blick auf die Satinlaken freigaben die im Magischen Licht das Rot fast wie Schwarz aussehen ließen.
Durch eine Versteckte Tür in einer Ecke gelangte man in ein kleines aber ausreichend ausgestattetes Badezimmer und mit einem Hebel, neben dem Bett konnte ein magisch verborgener Schrank geöffnet werden indem sich all das befand was ein Kunde sich wünschen konnte.
Schlanke Finger ergriffen das Revers des dunklen Anzuges und auf ihren Lippen erschien ein Lächeln das sie schon seit Jahren perfektioniert hatte. ,,Also …“ begann sie und biss sich lasziv auf ihre volle Unterlippe, ihre blauen Augen glitten über seine schlanke aber durchaus muskulöse Gestalt. ,, … was darf ich dir heute gutes tun? Ein Vögelchen zwitscherte mir das ich dir für den Rest der Nacht gehöre!“
Das Lächeln auf ihren Lippen erreichte ihre Augen nicht und doch würde es nur dem Aufmerksamen auffallen, denn alles an ihrer Körperhaltung sprach für Akzeptanz und Zuspruch.
Als sie ihn vor fast einer halben Stunde im Hauptraum erblickt hatte, in einem der Sessel sitzend und an einem Glas Feuerwhiskey nippend hatte sie sich wirklich über seine Anwesenheit gefreut. Die letzten drei Zusammentreffen mit ihm, hatte sie noch gut im Kopf, auch wenn sie diesen Mann kaum verstand und noch weniger seine Beweggründe. Er hatte nur reden wollen, nicht einmal Küsse oder etwas anderes, sondern sich mit ihr Unterhalten, eine Tatsache die sie in all den Jahren noch nie erlebt hatte. Gewiss kannte sie es von ihren Kunden, das die meisten ihr mehr erzählten als ihren eigenen Ehefrauen, jeder von ihnen wusste, dass keiner der Huren jemals ihren Mund öffnen würde außer dafür um einen Kunden zu gefallen.
In ihren Jahren bei der Grande Lady, hatte sie unendliche Geheimnisse erfahren und doch war nie eines davon über ihre Lippen gedrungen, keines davon würde es wahrscheinlich jemals.
Ivoire zog eine schmale Augenbraue in die Höhe und blickte ihren Gegenüber noch immer sanft lächelnd an, seine brauen Augen erinnerten sie an geröstete Mandeln die mit geschmolzenem Zucker übergossen wurden, sie mochte den Gedanken. ,,Steht dir wieder der Sinn nach reden oder darf es etwas … anderes sein?“ erkundigte sie sich und mit einer eleganten Bewegung trat sie einen Schritt von ihm zurück und ging zu den Karaffen hinüber.
Ihre Bewegungen waren fließend und lockend, das wiegen ihrer Hüften perfekt dosiert und sie konnten den Blick seiner Augen auf sich spüren was sie für einen kleinen Augenblick zum Schmunzeln brachte. Die Karaffe mit Feuerwhiskey klirrte leise als sie den Gläsernen Stöpsel herauszog und die Flüssigkeit dann in ein geschliffenes Kristallglas goss. Sie selbst würde nur wieder etwas von dem Fruchtsaft trinken der ebenfalls vorhanden war, ihr selbst war das Trinken von Alkohol verboten und sie hielt sich daran, an wie so viele Dinge.
Bereits bei dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Braunhaarigen Mann hatte sie erkannt das er es nicht gewohnt war von schönen Frauen umgeben zu sein, sie fand seine offenkundige Unsicherheit als reizend und erfrischend. Es waren Verhaltensweisen die sie in ihrem Leben nur selten zur Gesicht bekam und wenn dann waren sie kostbar, zu mindestens im Leben einer Prostituierten.

