Von Silbernen Wölfen und schillernden Kolibris
#1


Von Silbernen Wölfen und schillernden Kolibris
   Ivoire   Nikolaij   Fenris Everglade
am 17.09.1998


Leise summend hob die Blondhaarige den Kopf und schob sich eine lose Strähne hinter das Ohr. Ihr Kopf ruhte an der kühlen Fensterscheibe, die Sonne stand bereits seit Stunden hoch am Himmel, die Hitze drang sogar durch die Fensterscheiben, wurde aber durch einen Zauber abgemildert. Kornblumenblaue Augen wanderten über die weitläufige Gartenanlage die sich unter dem Fenster erstreckte. Durch die Hitze und die ständige Sonneneinstrahlung war es ohne Magie kaum möglich Blumen und andere Pflanzen zu kultivieren, die kühle Meeresbrise ließ Vegetation zwar zu aber die Hitze Sardiniens war unerbittlich. Magie machte das Pflanzenwachstum möglich und somit waren die weitläufigen Anlagen von Grünem Rasen, Beeten mit Blumen sowie Orangen- und Zitronenbäumen gesäumt.
Fenris hatte ihr erzählt das einige der Bäume schon ein paar Hundert Jahre alt waren. Gepflanzt worden waren sie teilweise von seinen Großeltern, eine Anekdote die sie zum Lächeln gebracht hatte. Die Erinnerungen von vor einigen Tagen drang in ihren Kopf und ließ auf ihren Lippen ein sanftes Lächeln erscheinen.

Sie hatten zusammen gefrühstückt und die Blumen die er hinter seinem Rücken hervorgezogen hatte als sie in die Küche gekommen war, hatte sie zum Lächeln gebracht. Das Gefühl das dabei in ihrem Bauch angefangen hatte zu brodeln war ihr unbekannt gewesen aber ebenso erfreulich, eine Mischung die sie nicht ganz beschreiben konnte, aber es war nichts unangenehmes gewesen.
Ihre Augen fanden wieder den Block den sie auf ihrem Schoß hielt, in ihren Fingern ruhte ein Kohlestift, sie folgte den Linien ihrer Zeichnung und verzog die Lippen zu einem sanften Lächeln.
Die schwarzen Schattierungen und Linien zeigten einen Mann mit einer schief sitzenden Brille, seine lockigen Haaren fielen ihm in die Stirn und ein Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Ihr Herz machte einen, ihr unbekannten Flattrigen Satz als sie erneut den Stift umschloss und ihre Zeichnung fortsetzte.

Es war eine Bewegung auf den schmalen Wegen unter ihr den sie den Kopf heben lies. Ihre Augen richteten sich auf den dunkel gekleideten Mann der die gepflegten Kieswege entlang ging. Ivoire spürte wie ihr Mund trocken wurde, ihr Magen zog sich zu einem unangenehmen Ball zusammen, in ihrem Nacken begann es zu Kribbeln. Seine Bewegungen waren fließend und geschmeidig, jede seiner Bewegungen vollkommen kontrolliert als er sich den dunklen Mantel, im gehen von den Schultern schüttelte und darunter einen dreiteiligen Anzug offenbarte der sich an seine breite Statur schmiegte. Als sich sein Blick auf sie richtete, zuckte die Blondhaarige Frau zusammen unter dem intensiven Blick des Mannes, sie rutschte von der Fensterbank auf der sie gesessen hatte. Angst setzte sich in ihrem Bauch fest, eine Gänsehaut kroch ihr über die Arme.
[Bild: ivoireavatarp4kkw.png]
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#2


Von Silbernen Wölfen und schillernden Kolibris
   Ivoire   Nikolaij   Fenris Everglade
am 17.09.1998


Die Hitze Sardiniens schlug ihm ins Gesicht als er sich hinter der Magisch gezogenen Grenze materialisierte. Die Wut in seinem Bauch war kaum weniger geworden als er die Magische Grenze passierte und die Schutzauber auf seiner Haut zu kribbeln begannen, er schüttelte sie ab wie eine lästige Fliege.
Fenris würde sich wieder in England einfinden, eine andere Möglichkeit würde es nicht geben, nicht wenn sie riskieren wollten das eine ihrer Tarnung aufflog und nur weil diese übereifrige Frau nicht lang genug nachgedacht hatte. Dayita war oftmals viel zu impulsiv als für sie selbst gut war, eine Eigenschaft die er bisher immer als erfrischend bezeichnet hatte, in diesem Augenblick wollte er nichts mehr als die Frau ins nächste Jahrhundert verfluchen.
Kies knirschte unter seinen Schuhen als er die gepflegten Rasenflächen überquerte und den Weg einschlug der zu der breiten Treppen führte die ihn ins Innere des Anwesens lassen würde.
Die Temperaturen in dem Südlichen Land waren gänzlich anders als die in England, dort mochte es aktuell auch angenehm warm sein aber sie konnten nicht mit den über dreißig Grad mithalten, selbst wenn das Meer etwas Abkühlung verbracht.
Den Mantel den er getragen hatte, ließ er von seinen Schultern gleiten und legte ihn über seinen Arm, seine Schritte waren schnell und sicher, er kannte seinen Weg war schon ein paar Dutzend Male in dem Anwesen gewesen.

Eine Bewegung hinter den großen Fenstern zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Graue Augen fanden Augenblicklich die schlanke Gestalt einer Frau hinter der Glasscheibe. Selbst über die Entfernung hinweg konnte er das ungewöhnliche Blau ihrer Augen wahrnehmen, das Helle Blond ihres Haars wurde von der Sonne reflektiert, seine Mine wurde finsterer. Ihm war sofort klar gewesen das Fenris Aufenthalte in dem Bordell mehr waren als nur reine Informationsbeschaffung. Das er sich dabei anscheinend um eine der dortigen Huren mehr bemüht hatte als eigentlich gefordert, hatte ihn nie wirklich gestört. Nikolaij störte es erst wenn sie den Mann von seinen Aufgaben abhielt und das tat sie aktuell definitiv.
Mit wenigen Schritten erklomm er die Stufen zur großen Eingangstür, mit einem Schwung seines Zauberstabes öffnete sie sich und ließ ihn ein. Die Kühle die ihn dort Augenblicklich empfing war eine Regelrechte Erleichterung im Gegensatz zu der drückenden Hitze im Außenbereich.
Nikolaij wartete nicht sondern schlug sofort den Weg zu dem Arbeitszimmer von Fenris ein, der Mann würde wahrscheinlich nirgendwo anders sein, er kannte den Dunkelhaarigen mittlerweile ausgesprochen gut.

Nikolaij stieß die geschlossene Zimmertür mit einem Stoß auf, sie schlug mit einem dumpfen Laut gegen die Wand und erschreckte den Mann der an einem dunklen Schreibtisch saß. Nikolaij scherte sich nicht im Höflichkeiten, nicht wenn seine Wut gefährlich unter seiner Haut brodelte und er nichts lieber wollte als Fenris an seinen Haaren zurück nach England zu schleifen. ,,Die Flitterwochen sind vorbei, du wirst noch heute mit mir zurück nach England kommen!“ eröffnete der großgewachsene Russe dem anderen Mann und blieb wenige Meter vor seinem Schreibtisch entfernt stehen. Seine eigentliche Gefühlslage war nicht abzuschätzen, er verbarg alles hinter einer kühlen Maske aus Gleichgültigkeit, in seiner Stimme schwang sie trotzdem unterdrückt mit auch wenn er sie nicht erhob, ganz im Gegenteil.
[Bild: signaturl5ff0.png]
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